„Grace“ 2018

Eine Wahrsagerin zu kontaktieren, die aus Bildkarten liest, hat zu allen Zeiten Menschen fasziniert. Heute gibt es auch via Internet  Möglichkeiten, seine Zukunft vorhersagen zu lassen.

In der Arbeit  „Grace“  zeige ich den Prozess des Schreibens. Ich verfasse einen Text, den ich zusammen mit eigens dafür gemalten Bildern als Deutungsgrundlage meiner Zukunft an die Wahrsagerin Grace senden möchte.

Der Akt des Schreibens wirkt zögerlich. So entstehen eher assoziative, fragmenthafte Gedanken, die stetig verworfen oder abgeändert werden. Das Nachdenken über die eigene Person verknüpft sich scheinbar von selbst mit Versuchen von Zeitdiagnosen, scheinbar persönlichen Fragestellungen und Fragmenten nicht zuende gedachter Behauptungen. Schon dem aufmerksamen Beobachter offenbaren sich in Wortwahl, Schreibrhythmus, Satzumstellung und den Korrekturen Muster meines Denkenstils. Beinhaltet der Akt des Schreibens nicht selber schon eine Wirkkraft, die zukünftiges beeinflusst? Derartige Behauptungen sind nicht eindeutig messbar. Viel eindeutiger ist der auf mich zurückwirkende Einfluss des Geschriebenen auf technologischer Ebene. Mein Nutzerverhalten wird genauestens analysiert. Große soziale Technologiekonzerne speichern längst nicht mehr nur Texte und Informationen, die von der User_in aktiv absendet werden, sondern auch jene, die im Schreibprozess oder beim Formulieren des Textes verworfen werden. Auch der Rhythmus beim Tippen der Worte, die Bewegungen des Cursors und die versendeten Bilder werden von Algorithmen erfasst und ausgewertet, um  mein Verhalten mit anderen von mir abgesonderten Daten zu verknüpfen. Ich brauche meinen Text garnicht abschicken. Allein der Akt des Schreibens macht eine Analyse meiner Zukunft schon jetzt auf verschiedenen Ebenen möglich.