Konversation 5 (Phone Call Soliloquy)
Die Arbeit Konversation 5 sucht einen Moment des unmittelbaren akustischen Aufeinandertreffens von Wirtschafts- und Kultursphäre. Damit knüpft sie an eine Reihe von Konversationen an, die in den letzten Jahren geführt wurden und durch ihr jeweiliges Misslingen (Missverständnisse, wechselseitige Manipulation, kontextuelle Fehleinschätzungen etc.)  einen „versöhnlichen“ Bedeutungsüberschuss erzeugten.
Auf drei Smartphones werden jeweils etwa 150 Kunst und kulturfördernde Unternehmen angerufen. Eins adressiert Banken wie die Commerzbank oder Deutsche Zentralbank. Ein anderes kontaktiert Versicherungen wie Hiscox oder Itzehoer. Das Dritte schließlich wählt kunstfördernde Großkonzerne wie Unilever, Lufthansa, Hugo Boss oder Airbus an, um den Ausstellungsraum mit einem akustischen Geflecht aus Sprachansagen und Warteschleifenmusik zu bespielen.
Die so entstehenden Klanglandschaften verändern sich je nach Tageszeit, Ausstellungsbesuchenden, Anrufaufkommen und Überschneidung der im Zufallsprinzip angewählten Unternehmen.
Auf größerer Ebene scheinen die Zeichen für eine wertegeleitete Gesellschafts-und Außenpolitik eher schlecht. Wenn künstlerische Praktiken noch als Seismograph des Gesellschaftlichen gesehen werden, stellt sich einmal mehr auch im Kulturbereich die Frage nach der Herkunft von Fördermitteln relevanter Kulturformate. Auch die Arbeit Konversation 5 wird von den größten Kulturförderern ermöglicht. Jedoch ist die Förderung nicht von monetärer, sondern akustischer Art.
Die raumfüllenden Stimmen und Klänge münden in Kippmomente, die eine kurze und vor allem unmittelbare Wechselwirkung zwischen Kultur- und Wirtschaftssphäre; dem kontemplativ-Ästhetischen und der Realität des Arbeitsalltags zulässt. Das passiert immer da, wo der Hörer auf Unternehmensseite abgenommen wird. Die Mitarbeitenden der Kundenbetreuung sprechen im Namen des Konzerns in den Ausstellungsraum. Und umgekehrt spricht die Akustik des Ausstellungsraumes samt der rezipierenden Besucherschaft in die Sphäre der Unternehmen.
Lorenz Goldstein, HFBK Hamburg, Juli 2022

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